Unser Hund

oder

Von jedem Etwas 

 

Unser Hund wird von den Vereinskollegen in Vaihingen manchmal wegen seiner „Vielseitigkeit“ belächelt. Mit „Vielseitigkeit“ ist hier gemeint, dass sich viele Hunderassen, über Generationen hinweg, sehr aktiv an der Entstehung von G. (Hundename ist dem Autor bekannt) beteiligt haben. Wie unschwer zu erkennen ist, handelt es sich bei unserem Hund um einen Mischling. Böse Zugen nennen ihn Töle oder Straßenkreuzer, der amerikanische Hundefreund nennt Hunde dieser Art „Heinz fifty-seven“ in Anlehnung an die 57 verschiedenen Ketchup-Varianten des Unternehmens Heinz.

 Eine durchaus schlüssige Erklärung gab ein Jurymitglied, das nicht genannt werden will, auf die Frage einer Dame ab, um welche Hunderasse es sich bei dem gerade herumrennenden Vierbeiner handle. Antwort Jury: „Des is da G.“.

Diese gewohnt knappe und barsche Antwort genügte der interessierten Dame nicht, die von sich gab, nicht am Namen des Hundes, sondern mehr an der Rasse dieses Lebewesens interessiert zu sein. Hier gab das Jurymitglied die alles klärende Antwort: „Da G. halt“

 Wie bereits einigen Vereinskammeraden erklärt, unterscheidet sich besagter Hund darin, dass er nicht nur einer Rasse entsprungen ist, sondern aus – grob geschätzt – 30-40 verschiedenen, meist Hundearten, zusammengewürfelt wurde. Dies beweist die Exklusivität dieses Hundes und rechtfertigt den von uns gezahlten Preis von DM 50,-- (in Zahlen: fünfundzwanzig EURO sechsundfünfzig CENT).

 Einige Rassen sind unverkennbar in unserem Hund enthalten, dies macht sich durch ganz typische Charakteristiken bemerkbar. Hier einige Beispiele:

 Labrador

 Die einzige Gemeinsamkeit mit einem Labrador ist die Tatsache, dass G. der Stadt Stuttgart als Labrador-Mischling gemeldet wurde. Dies hat für G. und seine Besitzer folgende Konsequenzen:

-         G. bringt alle Labradors gegen sich auf

-         G. bringt der Stadt Stuttgart DM 210,-- ein

-         G. bringt uns fast um, da wir die Steuer bezahlen müssen.

 Schäferhund und Springmaus 

Bei den täglichen Spaziergängen erfreut sich unser Hund an seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Ballspielen. Dazu wird als Spielfeld eine Rasenfläche gewählt, die abhängig von der Jahreszeit und Motivation des Rasenmähteams der Stadt Stuttgart, mit Gras in den verschiedensten Höhen bestückt ist. Wirft man den Ball, springt G. wie eine Springmaus in das Gras und nimmt sofort die Fährte des geworfenen Balles auf. Mit seiner Suche beginnt er ausnahmslos in der entgegengesetzten Richtung und beendet dort auch nach wenigen Sekunden seine Suche, wobei das springmaus-ähnliche Springen zu keinem Zeitpunkt unterbleibt. Auch ist hier der nicht unerhebliche Verbrauch an Bällen zu erwähnen.

 Windhund, Feldhase und Maulwurf

 G. ist ein überdurchschnittlich talentierter Sprinter, er verfügt über einen Antritt, der immer wieder erstaunt. Somit gilt als erwiesen, dass G. über Windhundblut verfügt. Seine plötzlich geschlagen Haken lassen durchaus die Vermutung zu, das G. auch einen sportlichen Feldhasen in unmittelbarer Verwandtschaft hat. Was das frühzeitige Erkennen von ausgewachsenen Bäumen betrifft, läßt leider vermuten, dass G. die Sehkraft eines Maulwurfs besitzt, da er kürzlich in diese durchaus von weitem erkennbare Pflanze gelaufen ist. Zur Ehrenrettung von G. ist anzumerken, dass er im Augenblick des Unfalls einer Hundedame nachgaffte und er somit den Baum übersah. Wahrscheinlich war der Baum am Vortag noch nicht existent, da G. die Gegend sehr gut kennt. Baumexperten streiten jedoch vehement ab, daß eine Birke etwa 10 Meter pro Nacht wachsen kann. Ich aber glaube meinem Hund.

 Deutscher Jagdterrier

 Die Jagdhundanteile von G. sind nur minimal ausgeprägt, berücksichtigt man, dass kürzlich eine Katze etwa einen Meter hinter seinem Rücken vorbeilief, und das in seinem Garten, was ja bekanntlich sein Revier darstellt. Es war niederschmetternd. Wir versuchten deshalb G. diesen Vorfall schonend beizubringen.

 Dogge und Rehpinscher 

G. bewegt sich sehr elegant und graziös, abgesehen vom Bewegungsablauf beim Ballspielen im hohen Gras. Durch diese Feinheiten ist zweifelsfrei bewiesen, dass auch eine stilvolle Dogge an der Entstehung von G. beteiligt gewesen sein muss. Wäre G. etwas größer als seine 50 cm am höchsten Punkt seines Rückens, würde er als Hundemodell mindestens 30000 Euro pro Tag verdienen können.

Bei Waldspaziergägngen hat G. oftmals das Glück, Rehe beobachten zu können. Da er sehr impulsiv auf diese Waldbewohner reagiert, denke ich, das er Gene vom Rehpinscher besitzt. Damit ist auch erklärt, warum G. nicht die Größe einer Dogge besitzt. War beispielsweise sein Ururgroßvater eine Dogge, so muss die Ururgroßmutter wohl Rehpinscherin gewesen sein.

 

 

 

Den Gesamtpreis für den Erwerb von Labrador, Wind- und Schäferhund, Jagdterrier, Dogge und Rehpinscher würde ich vorsichtig auf 5000 Euro schätzen. Hinzu kommen natürlich weitere 8000 Euro für Feldhase, Maulwurf und Springmaus. Das macht zusammen 13000 Euro. Berücksichtigt man den Anschaffungspreis von G. im Jahre 2000 ist der Gewinn, den wir bis jetzt erwirtschaftet haben astronomisch. Aber welcher Hundefreund legt Wert auf schnöden Mammon, G. ist zu keinem Preis dieser Welt verkäuflich, wir mögen jede Rasse, die in G. steckt. Auch die Tatsache, dass G. niemals an einer Weltmeisterschaft teilnehmen darf – hier hat Rasse eindeutig Vorzug vor Klasse – ändert nichts an unserer Einstellung.

 

 

 

Hier finden sie uns

Hundefreunde Stgt- Vaihingen
Kurmärker Str. 50
70569 Stuttgart
Telefon: 0711/6873098

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