Prüfung 

 

War ich aufgeregt. Frühjahrsprüfung für Begleithunde und Schutzhunde. Jeder halbwegs kompetente Hundefachmann duldet Niederbayern wie mich gerade mal so als Zaungast, der Trainerstab unseres Vereins hatte jedoch ganz konkrete Aufgaben für mich, die teilweise auch d i r e k t   mit der Prüfung zu tun hatten. Ein unkalkulierbares Risiko, dass die Trainer Habmann und Telljohann hier eingegangen waren. Aber oftmals werden riskante Aktionen belohnt, in unserem Fall war dies natürlich nicht der Fall.

 

Meine erste Aufgabe bestand darin, die Hunde- und Hundeführerprobanten mittels einer Kamera aufzunehmen, um der Nachwelt eine Möglichkeit einzuräumen, diesen Spitzensport auch bestaunen zu können.

Schon zu Beginn meiner Tätigkeit als Kameramann schlichen sich die ersten Fehler ein. Die Aufzeichnung des Kandidaten eins der Prüfung, Ken mit Sabot, begann etwas zeitversetzt, da eine Vorbereitungszeit von 45 Minuten zum Aufstellen einer Videokamera und das Anschließen des Netzteils auf dem ausgesprochen unwegsamen Vereinsgelände sehr knapp bemessen ist. Immerhin waren von Steckdose zu der Kamera zwei endlose Meter zu überwinden. Es machte die Sache dann nicht einfacher, wenn man nach dieser schweißtreibenden Distanz feststellt, dass das wichtigste Teil, das Netzteil der Kamera, noch Zuhause rumliegt.

Und hier war nun ich gezwungen, meinerseits volles Risiko zu gehen. Ich mußte, da mir niemand erlaubte sowohl die Prüfung als auch die Bewegungen aller Hundeführer, Hunde, Richter, Gruppenteilnehmer und Zuschauer sofort zu stoppen, die Kamera unserem Nordlicht Katja anzuvertrauen. Ich war ja gezwungen nach Hause fahren, um mein Netzteil zu holen. Bis heute habe ich mir nicht angesehen, was unsere Katja da so gefilmt hat. Ich werde es aber gezwungenermaßen noch tun müssen, da ich von Katja eine Aufnahmequalität erwarte, die unweigerlich dazu führt, dass man mich teert, federt und anschließend mit Schimpf und Schade aus dem Verein jagt. Das Filmgeschäft ist knallhart und erbarmungslos.

 

Erst ab Kandidat drei, Irmgard Huber mit Otello, konnte ich wieder die alleinige Verantwortung für die Hundedokumentation übernehmen. Katja hatte offensichtlich Gefallen am Filmgeschäft bekommen und gab deshalb ihren Platz an der Kamera erst bei Irmgards Auftritt wieder frei. Ein, nach meiner Meinung sehr lukratives Angebot an die Jungfilmerin, groß ins Filmgeschäft einzusteigen, ermöglichte mir meinen Weg zurück an das Objektiv, denn Katja lehnte es tatsächlich ab, zunächst ein mehrjähriges, kostenloses Praktikum in meinem Filmstudio zu machen um mir somit eine objektive Entscheidung zu ermöglichen, ob diese Praktikantin denn auch geeignet ist. Die heutige Jugend ist zu satt.

Die Diskussion mit Katja wurden übrigens ruhig und sachlich geführt, es wurde niemand gestört. Wir können deshalb mit ruhigem Gewissen behaupten, dass wir nicht schuld daran waren, dass Otello seinen Fuß unter den seines Hundeführers gebracht hat. Eventuellen Schadensersatzansprüchen von Frau Huber sehen wir deshalb gelassen entgegen. Auch haben die restlichen Prüfungsteilnehmer der Begleithundprüfung sehr wenig gegen uns in der Hand, da alle weiteren Aufzeichnungen verhältnismäßig unfallfrei verliefen. Katja war ja weg.

 

Wer ein erfolgreicher Kameramann sein will, so mußte ich lernen, muß völlig neutral und emotionslos der Sache gegenüberstehen, die er gerade filmt. Sonst wird das nichts. So geschehen bei der Schutzhundprüfung mit Conte. Ich war fasziniert von den Aktionen, die Conte, Gerd und Uli vollbrachten. Die stetigen und ausnahmslos erfolglosen Fluchtversuche von Uli beobachtete ich gespannt und gebannt. Und diese Beobachtung fand leider nicht durch den Sucher der Kamera statt, sondern in der direkten Verbindung Auge – Übungsgelände. Der Sucher meiner Kamera war deshalb so beleidigt, dass er starr die saftig grüne Rasenfläche und die Bäume filmte, nicht aber die drei Teilnehmer des Verfolgungsrennens. Technisch gesehen ist der Teil meiner Kamera, der für den Ton verantwortlich ist, weit besser entwickelt als der Sucher. Während der Sucher wegen Mißachtung zickt, verfolgt der weitaus schlauere Ton das Geschehen weiter, auch wenn man sich mal nicht fürsorglich um ihn kümmert. Eine gewisse Gelassenheit würde dem Sucher sicherlich nicht schaden.

 

Der größte Fehler in meiner noch jungen Karriere als Kameramann war jedoch die Tatsache, dass ich die „beste“ Aktion des Tages nicht in den Kasten bekam. Vornehm ausgedrückt möchte ich sagen, dass Gerd in ästhetischer und ausrutschender Weise den Boden küßte, mit anderen Worten: Gerd fiel auf die Schnauze. Diese Aktion hatte wenig mit dem Hundesport zu tun, da Gerd auf den sportlichen Teil des Sturzes komplett verzichtete und Conte dafür keinen Punktabzug bekam. Aber trotzdem muß ein erfahrener Kameramann solche Begebenheiten filmen anstatt diese zu übersehen. Wahrscheinlich habe ich 5000 Euro verschenkt, da diese Filmsequenz bestimmt einen vorderen Platz bei Pleiten, Pech und Pannen belegt hätte.

 

Meine zweite Aufgabe war äußerst haarig. Man bestimmte mich zum Autofahrer beim Prüfungsabschnitt Verkehrsteil. Neben einem Radfahrer – es handelte sich hierbei um einen sechsjährigen Halbniederbayern – und einem Inliner – ein etwas älterer Vollschwabe – komplettierte ich diesen Verkehrsteil als der Fahrer eines Automobils, der neben Hund und Hundeführer halten mußte, um nach den Weg zu fragen. Trainerin Habmann gab mit völlige Freiheit, ob ich den Weg nach Sindelfingen oder Böblingen erfragen möchte. Solche Freiheiten, von einer erfolgreichen Übungsleiterin ausgesprochen, machen schon stolz. Dies war jedoch die einzigen Freiheit die ich hatte.

Zum Ablauf dieses wahrscheinlich schwierigsten Abschnitt des Prüfungstages: Er fand nicht statt. Der ausgesprochen fähige Richter hatte ein Einsehen mit Hunden und Hundeführern und unterstellte absolut berechtigt, dass Großstadthunde, die von dem Hundeverein Stuttgart-Vaihingen ausgebildet werden, an Autos gewohnt sein müssen. Ist mir auch recht, somit hatte Tacco keine Chance mein Auto zu zerkratzen. Die Fahrt vom Hundeverein zur BMW-Niederlassung Stuttgart und wieder zurück werde ich mir übrigens von unserem Vorstand bezahlen lassen. Die Benzinkosten für gefahrene 800 Meter sind nicht unerheblich. Ich helfe immer gerne, aber ausnutzen lasse ich mich nicht.

 

Alle Hunde bestanden nebst ihren Hundeführern die Prüfung mit großem Erfolg. An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch an Ken mit Sabot, Tanja mit Mäx, Tagessiegerin Irmgard mit Tagessieger Otello, Valerie mit Maxime, Petra I mit Max, Petra II mit Tacco, Gerd mit Conte und last but not least, Xello trotz Sandra. Diese aufgeführten Gespanne waren alle so gut, ich hätte diesen Erfolg auch mit der Auto- und Wegbeschreibungsnummer nicht mehr verhindern können. Es gibt allerdings einen Kritikpunkt an diesem sonst sehr erfolgreichen Tag: Gerd sollte noch etwas an seiner Sturztechnik arbeiten, lediglich die A-Note war akzeptabel, die B-Note für den künstlerischen Teil war verheerend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
           

 

 

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